Erziehung, Ausbildung und Führung

Das Herausnehmen des Welpen aus der gewohnten Umgebung bei der Abgabe vom Züchter bedeutet einen harten Eingriff in sein Leben. Besonders in den ersten Tagen muß man sich viel mit ihm beschäftigen und ihn - er ist ein Meutetier - von seinem Trennungsschmerz ablenken. Die Grundlage der Erziehung ist die Gewöhnung. Der junge Hund muß an sein Verhalten im Haus, Zwinger, Auto usw. gewöhnt werden. Polstersitze, Stühle und ähnliches darf er nie betreten. Mit Lob und Tadel (brav und pfui) kann man ihm sagen, welches Verhalten erwünscht oder welches unerwünscht ist. Notfalls kann man leichten Zwang anwenden. Das Gehen bei Fuß an Halsung und Leine lernt er schnell.

 

Sofern man den jungen Hund nicht ständig beobachten kann, ist es anfangs am besten, ihn mit einem dünnen Kettchen (Leinen werden oft durchgebissen) an seinem bestimmten Platz im Hause anzuleinen, eine gute Vorübung für das spätere "Ablegen". Ein größerer Pappkarton mit zugfreiem Rand eignet sich sehr gut und kann bei Verschmutzung leicht ausgewechselt werden. Gerade in der Zeit des Zahnwechsels, im Alter von fünf bis sechs Monaten, beißt der junge Hund gern an allen möglichen Gegenständen herum. Kunststoffe sind besonders gefährlich.

Vorbeugen ist besser als Heilen. Dies gilt besonders auch für das Stubenreinsein. Der Hund löst sich und näßt auch gern auf Gras. Teppich bedeutet für ihn Grasersatz. Deshalb sollte man ihn ständig beobachten, ganz besonders nach dem Schlafen oder auch Fressen, ihn sofort hinausführen an eine geeignete, grasige Stelle und loben, wenn er sich dort löst oder näßt. Der junge Hund braucht viel Bewegung, aber auch die nötige Ruhe. Im Revier sammelt er seine ersten Erlebnisse und Eindrücke. Der ständige Umgang mit Menschen weckt seine Intelligenz und zugleich sein Verständnis für unsere Sprache. Deshalb sollte auch der Zwingerhund täglich wenigstens einige Stunden mit in die Wohnung genommen werden. Dem Naschen und Stehlen beugt man vor, indem man nichts herumstehen läßt und den Junghund auf seinem Platz anleint, sofern man ihn nicht ständig beobachten kann. Hoch- oder Anspringen verhindert man, indem man plötzlich das Knie hochnimmt und unter "pfui" ihn erfahren läßt, daß dies unangenehm ist. Sehr viele Hunde werden durch die Schuld ihrer Besitzer überfahren. Deshalb sollten Sie Ihren Hund von Anfang an daran gewöhnen, daß er das Auto nur auf Ihren Zuruf verläßt, Gehsteige und Straßen nur überqueren darf, wenn er vorher "Sitz" gemacht hat. Bei Straßenverkehr muß der Hund grundsätzlich angeleint geführt werden. Während man den jungen Hund im Feld möglichst nicht kurz hält, sollte er im Wald angeleint sein, um unerwünschte Wildhetzen zu vermeiden. Dagegen kann man ihn schon bald mit der Spur des nicht sichtigen Hasen vertraut machen.

Allgemeiner Grundsatz: Nie den Hund ohne Halsband mit eingravierter Anschrift und Telefonnummer laufen lassen; einzige Ausnahme ist die Wasserjagd, wo die Halsung stets vorher zu entfernen ist. Ebenso ist es wichtig, den jungen Hund bald an Wasser zu gewöhnen. Bei sommerlichen Temperaturen kann man mit ihm in geeigneten Gewässern zusammen waten und schwimmen und die Wasserfreude so fördern. Viele Möglichkeiten, dem jungen Hund Bewegung zu verschaffen und seine Ausbildung zu fördern, bietet der Einsatz der Reizangel. Diese besteht aus einem 1,50 bis 2 Meter langen Stock mit einer etwa gleich langen Schnur an einem Ende, an der ein weicher Gegenstand, zum Beispiel ein ausgedienter Lederhandschuh, befestigt ist. Nur eine kleine Ecke im Garten oder einer Wiese genügt, um mittels der Reizangel täglich mit dem Welpen zu arbeiten, ein Revier ist keineswegs erforderlich. Anfangs wird der junge Hund hinter dem im Kreis über den Boden gezogenen Gegenstand eifrig hetzen und springen, wobei die Drehrichtung immer wieder gewechselt wird. Diese Übungen fördern enorm das Wachstum und die konditionelle Entwicklung des Welpen. Es liegt im Fingerspitzengefühl des Führers, hier den richtigen Zeitpunkt für eine Unterbrechung oder das Ende der Übungen zu finden, um eine Übersättigung zu vermeiden. Hat der Welpe den Gegenstand ergriffen, wird er mit lobenden Worten herangerufen (er kann ja nicht anders, man hat ihn ja an der Angel), notfalls unterstützt durch vorsichtiges Heranziehen mittels der Angel, zum Sitzen und zum Ausgeben des Gegenstandes veranlaßt. Dieses Tun wird mit Lobesworten begleitet. Nicht lange, und der Welpe wird sich eine andere Taktik ersinnen, um an den Gegenstand heranzukommen, besonders, wenn man ihn beim Hetzen nicht zum Erfolg kommen ließ; wenn der Gegenstand weiter entfernt ruhig liegt, wird er versuchen, sich heranzuschleichen. Daraus entwickeln sich die ersten Manieren zum Vorstehen. Diese kann man festigen durch energischen Zuruf "steh!" und gleichzeitigem Tritt auf eine zirka 3 m lange Kunststoffschnur (alte Wäscheleine), die man an einer breiten, weichen Lederhalsung befestigt hat; so läßt sich auch das Einspringen unterbinden. Eine lange Kunststoffschnur an der Halsung ist übrigens ein gutes Mittel, dem jungen Hund sinnvoll den Gehorsam auf Hereinruf "Komm" oder "Hier" beizubringen. Allzugern möchte er das Spiel "Hasch mich" anbieten, wenn man ihn zu sich ruft. Höchst überrascht wird er sein, wird dieses unterbunden durch den Tritt auf die Schnur, mittels der er vorsichtig, mit lobenden Worten, herangezogen wird.

Der Fantasie des Führers sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist die tägliche Beschäftigung mit dem Junghund. Mehrmals einige Minuten am Tag genügen, um Intelligenz, Kondition, Gehorsam und Kontakt mit dem Führer auf diese Weise sinnvoll zu fördern. Bei dem auf diese Weise erzogenen Jagdhund kann auch sofort mit der weiteren Ausbildung fortgeschritten werden. Allenfalls notwendiger Zwang muß vorsichtig vorgenommen werden und der Entwicklung des Junghundes angepaßt sein. Auf die entsprechende Fachliteratur wird hingewiesen. Noch besser ist es jedoch, aktiv an einem Ausbildungslehrgang der Jägervereinigungen usw. teilzunehmen. Der Vorteil ist, daß man zugleich auch als Führer ausgebildet wird und die richtigen Handgriffe erlernt. Man bekommt einen Vergleich mit anderen Hunden, und außerdem gewöhnen sich die Hunde an andere Artgenossen; für spätere Prüfungen, Gesellschaftsjagden usw. ein großer Vorteil und für die Weiterentwicklung des Hundes von Bedeutung. Im wesentlichen ist die Ausbildung auf einen guten Gehorsam und auf sicheres Apportieren ausgerichtet. Wichtig ist für den Lernprozeß dabei die Wiederholung. Beherrscht der Hund seine Fächer, so ist es ein Leichtes, ihn auch in der jagdlichen Praxis zu führen. Alle Möglichkeiten sind wahrzunehmen, um ihm Erfahrungen zu vermitteln und Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Die Einzeljagd mit der nötigen Konzentration und Ruhe eignet sich hierfür besonders. Auf Gesellschaftsjagden wird der Junghund grundsätzlich angeleint geführt und kann mitgenommen werden, wenn er seinen Gehorsam soweit gefestigt hat, daß er die nötige Standruhe besitzt. Falsch ist es, den in Sichtweite verendeten Hasen bringen zu lassen oder den Hund sofort nach dem Schuß zu schnallen. Das gibt mit Sicherheit einen Hund, der später jeden Schuß verreißt und dadurch auch die Mitjäger gefährdet.

Die Gewöhnung an den Anblick von Wild sollte schon im Junghundealter an der Leine erfolgen. Für die Wasserarbeit gilt als wichtiger Grundsatz, stets vor Beginn die Halsung abzunehmen. Der rechtzeitig ans Wasser gewöhnte Hund wird seine Wasserfreude soweit entwickelt haben, daß die Ausbildung für die Wasserarbeit ohne Schwierigkeiten erfolgen kann.

Die Vorbereitung für die Schleppe beginnt ebenfalls früh mit der sogenannten "Futterschleppe". Man zieht dazu einen Fleischbrocken über den Boden und stellt an das Ende der Spur die Futterschüssel. Nach Abschluß der Bringausbildung geht man zur Wildattrappe (Balg und ähnliches) und zu leichtem Wild über. Für die Übungen in der Schweißarbeit benötigt man einen mindestens 6 Meter langen Schweißriemen und eine Schweißhalsung, die einen drehbaren Wirbel besitzt. Die künstliche Schweißfährte kann gespritzt oder getupft werden. Ersatzweise genügt auch ein faustgroßes Lungenstück, das wie eine Schleppe gezogen wird. Auf 400 Meter benötigt man ein Viertelliter Schweiß, die Stehzeit soll mindestens zwei Stunden betragen. Zunächst kurze, dann immer längere Fährten legen! Am Ende der Fährte muß der Hund immer etwas finden. Das beste Mittel, das Interesse des Hundes zu steigern, ist ohnehin die frühzeitige Möglichkeit einer sicheren Totsuche.

Gift für das Vorstehen ist es, wenn man bereits den Junghund, vor allem auf Kaninchen, stöbern läßt. Die Pausen zwischen dem Vorstehen und dem Einspringen werden immer kürzer. Aber auch das Hetzen von gesunden Rehen sollte man auf jeden Fall vermeiden. Erst wenn der Gehorsam hinreichend gefestigt ist, kann man den Hund stöbern lassen. Spurlaute Hunde sind hierzu besonders geeignet. Das Buschieren, das heißt die Arbeit unter der Flinte, kann man dagegen auch schon mit dem Junghund machen, weil man ihn dabei stets unter Kontrolle hat.